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Proteine im Welpenalter?
Eine optimale Protein-Aufnahme ist die Voraussetzung für eine
angemessene Wachstumsgeschwindigkeit und die richtige Zusammensetzung
des Gewebes. Proteinmangel beeinträchtigt die Entwicklung und
führt zu erhöhten Fettablagerungen im Körper. Auch
eine Beeinträchtigung des Immunsystems wird durch Proteinmangel
im Wachstum erzielt. Ein hoher Gehalt an Nahrungseiweiß wird
aber trotzdem schon seit längerem mit Störungen in der
Entwicklung des Knochenbaus bei heranwachsenden Hunden in Verbindung
gebracht, die zu beeinträchtigenden Veränderungen wie
Osteochondrose und Ellenbogendysplasie führen sollen. Unter
Züchtern und Laien, aber auch unter Tierärzten, wird dieses
Gerücht ohne jeglichen wissenschaftlichen Nachweis immer weiter
kolportiert.
Generell kann der Proteingehalt einer Nahrung folgendermaßen
dargestellt werden:
1. als prozentualer Anteil am Produkt (als solchem),
2. als prozentualer Anteil an der Trockenmasse,
3. als prozentualer Anteil des Beitrags zum Energiegehalt des Produkts,
und 4. als Protein-Energie-Verhältnis.
Wie schon erwähnt, müssen Hersteller von Tiernahrungsprodukten
laut (nationalen und europäischen) Vorschriften die chemischen
(Weende) Inhaltsstoffe auf der Verpackung angeben. Auch wenn Fachleute
diese Zahl relativ leicht überprüfen können, bietet
sie doch keinen besonders hohen Informationsgehalt für den
Hundehalter. Man kann leider die Zusammensetzung eines guten Hundefutters
in der Weendeanalyse auch durch ein Gemisch aus Mineralöl und
alten Schuhsohlen erreichen. Somit steht fest, dass die Qualität
oder die Aufschließbarkeit des Proteinlieferanten dabei nicht
berücksichtigt wird. Ein Hinweis auf den Nutzen des Proteins
für den Hund hat man damit also nicht. Die Qualität des
Proteins (die biologische Wertigkeit des Eiweißes) kann sich
abhängig von den Proteinquellen (Eiweiß pflanzlicher/tierischer
Herkunft) und der Aufschließbarkeit (Proteine aus Muskeln
und dem Verdauungstrakt im Vergleich zu Eiweißmehl aus Haar-
oder Horngewebe) erheblich unterscheiden. Setzt man die biologische
Wertigkeit der Proteine eines Eies, von Muskelfleisch und Soja zum
Beispiel gegeneinander, so hat ein Ei etwa eine Wertigkeit von 100,
Muskelfleisch von 86 und Soja nur noch von 67. Um verschiedene Futtermittel
vergleichen zu können, müssen sie daher anhand ihrer Energiedichte
und ihrer Proteinqualität vergleichbar gemacht werden. Dies
ist dem Hundehalter im Laden leider in der Regel nicht möglich.
Der Hund reguliert seine Nahrungsaufnahme aufgrund seines Energiebedarfs
(UE = umsetzbare Energie). Ist dieser Energiebedarf gedeckt, sollte
auch der Bedarf an allen anderen Inhaltsstoffen und Bestandteilen
einer vollwertigen und ausgewogenen Nahrung erfüllt sein. So
genannte „proteinreiche Tiernahrungsprodukte'' sind oft eigentlich
Produkte mit einem hohen Energiegehalt (Produkte für Hochleistungshunde
und Welpen), bei denen der Proteingehalt an die hohe Energiedichte
(dank eines hohen Fettgehalts) angepasst wurde, um ein ausgewogenes
Verhältnis von Protein und Energie zu erhalten.
Wie bereits erwähnt, muss der Proteingehalt auf der Basis der
Energiedichte dargestellt werden, bevor man Produkte vergleicht
oder die Qualität eines Produkts beurteilt. Produkte mit gleichem
Energiegehalt und ansonsten identischer Rezeptur müssen auf
ihren unterschiedlichen Proteingehalt hin verglichen werden. In
der oben bereits schon erwähnten Studie bezüglich des
Calciumgehaltes wurden bei deutschen Doggen auch der Einfluss des
Proteingehaltes auf das Wachstum und die Knochengesundheit getestet.
Drei Gruppen von Deutschen Doggen erhielten abhängig von ihrem
Körpergewicht während der Wachstumsphase ab der 6. Lebenswoche
drei Produkte mit gleichem Energiegehalt (15 MJ UE/kg) und unterschiedlichem
Proteingehalt (13,1 % [L-Pr], 20,8 % [N-Pr] und 28,4 % [H-Pr] Protein
auf der Basis des Vergleichs des Produkts im vorliegenden Zustand
bzw. 9, 14,3 und 19,5 g/1000 kj UE). Neben klinischen Untersuchungen,
Röntgenaufnahmen, dem Calciumstoffwechsel (unter Verwendung
von Ca45) und Blutparameter wurden Wachstumshormone und IGF-I untersucht.
Aus den Untersuchungen resultierten keinerlei Unterschiede zwischen
den drei Gruppen, weder bezüglich des Calciumstoffwechsels,
noch die Knochenentwicklung betreffend. Das zum Abschluss erreichte
Körpergewicht, die Schulterhöhe, die Länge von Speiche
und Elle unterschieden sich während der gesamten Untersuchung
nicht. Bis auf geringe Unterschiede war das Wachstum in allen drei
Gruppen vergleichbar. Es konnten allerdings aus diesen Untersuchungen
folgenden Schlussfolgerungen gezogen werden:
1. Die Unterschiede bei der Proteinaufnahme per se (Bereich von
9-19,5 g/1000 kj UE, bzw. 13,1 %-28,4% auf Produktbasis) hatten
keine nachweisbaren Folgen für den Calciumstoffwechsel und
die Knochenentwicklung.
2. Ein Proteingehalt von 9 g/1000 kj UE (13,1 % Produkt) liegt für
Deutsche Doggen im Grenzbereich und kann negative Folgen für
die Bildung neuen Gewebes und die Widerstandsfähigkeit gegen
Infektionen bei diesen schnell wachsenden Junghunden haben.
3. Eine hohe Proteinaufnahme von 19,5 g/1000 kj UE (28,4 % Produkt)
führt zu keinerlei Unterschieden bei der endgültigen Schulterhöhe
und dem Körpergewicht.
4. Es ist unwahrscheinlich, dass ein ursächlicher Zusammenhang
zwischen einem Überschuss an Nahrungseiweiß und der Entwicklung
von Osteochondrose besteht.
Für Züchter großer Hunderassen ergeben sich eindeutige
Folgerungen:
1. Bei der Bewertung des Proteingehalts von vollwertigen und ausgewogenen
Hundenahrungsprodukten ist es wichtig, zunächst einen Blick
auf den Fettgehalt zu werfen, da dieses einen Hinweis auf die Energiedichte
des Produkts gibt. Bei Produkten mit hohem Fettgehalt und hoher
Energiedichte muss der Proteingehalt relativ hoch sein, um ein ausgewogenes
Verhältnis von Protein und Energie zu erhalten.
2. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Gehalt an Nahrungseiweiß
und Knochenmissbildungen.
Basierend auf einer Medline-Untersuchung im September 2001 (Schlüsselbegriffe:
Protein, Ernährung, Hund und Wachstum) kann festgestellt werden,
dass außer dieser Untersuchung keine einzige andere Studie
jemals die Auswirkungen von einem unterschiedlichen Proteingehalt
als einzigem unterschiedlichen Nahrungsbestandteil auf das Knochenwachstum
erforscht hat. Der wissenschaftliche Nachweis führt zwangsläufig
zu dem Schluss, dass die Berichte von Züchtern und Hundebesitzern
über die Auswirkungen einer Nahrung mit hohem Proteingehalt
während der Wachstumsphase als „Ernährungsmythen"
anzusehen sind. Eine ausgewogene Aufnahme von hochwertigem Protein
ist ausschlaggebend für die optimale Entwicklung von schnell
wachsenden Junghunden.
Welpen nehmen im ersten Lebensmonat täglich bis zu 6 g Protein
pro kg Körpergewicht auf und vom sechsten bis zwölften
Lebensmonat täglich 0,5 g pro kg Körpergewicht. Um den
Bedarf für das Wachstum zu decken, sollte die Proteinaufnahme
durch die Nahrung im zweiten Monat bei etwa 10g pro kg Körpergewicht
pro Tag liegen, nach fünf bis sechs Monaten bei 4-5 g und danach
bei 2,5-4 g. Eine höhere Aufnahme führt ausschließlich
zu einer Erhöhung des Leberstoffwechsels, ohne die Wachstumsintensität
anzuregen.
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